Neue Bestattungsform auf dem Sinziger Friedhof - Erste Ruhegemeinschaft in Rheinland-Pfalz entsteht

Artikel & Foto © Bernd Linnarz

Sinzig. Auf dem Sinziger Friedhof wird es eine weitere neue Bestattungsform geben. Am Hauptweg wird die erste Ruhegemeinschaft in Rheinland-Pfalz eingerichtet. Schwarzer Marmor und eine anrührende Interpretation des leidenden Jesus sind prägend für dieses repräsentative Familiengrab.

Damit erhält der Friedhof neben den üblichen Reihen- und Wahlgräbern, den Urnenbeisetzungen sowie der Ruhe unter Bäumen und Wiesenbestattung eine neue Beerdigungsform.

Der Anlass ist, dass sich die Menschen heute zunehmend mit dem auseinandersetzen, was nach dem Tod mit dem eigenen Körper geschehen soll.

Vielen Menschen ist es heute wichtig, die spätere Ruhestätte zu kennen und der Sinziger Friedhof in der "Koisdorfer Hohl" (dem Hohlweg nach Koisdorf) mit seinen gepflegten Gräbern und alten Bäumen findet auch bei Auswärtigen zunehmend Interesse, zumal hier eine relativ große Auswahl an Bestattungsformen angeboten wird. Die "Ruhegemeinschaft" ist eine weitere. Die neue Möglichkeit, nicht nur seine Angehörigen dort beisetzen zu lassen, sondern bereits zu Lebzeiten seine eigene Ruhestätte reservieren zu können, das ist auf kaum einem Friedhof möglich. Dabei bietet Sinzig nun einen landesweit einmaligen Service an.

Foto © Blumen HammerDie Friedhofsmitarbeiter und die Gärtnerei Hammer (Mitglied in der Genossenschaft der Friedhofsgärtner im Lande Rheinland-Pfalz eG) fanden es zu schade, eine so prägende Grabstätte aus der Wende zum 20. Jahrhundert einzuebnen. So wurde die Idee einer Gemeinschaftsgrabstätte entwickelt. Dazu wurde unter dem Grab eine Gruft angelegt. Hier werden nun zunächst 25 Urnen beigesetzt. Die Grabstätte wird für 15 Jahre von der Stadt gekauft. Gleichzeitig wird mit der Genossenschaft der Friedhofsgärtner im Lande Rheinland-Pfalz eG ein Grabpflegevertrag geschlossen, der die Dauergrabpflege und Bepflanzung garantiert. Dies bedeutet, dass abgeblühte Blumen und ausgebrannte Kerzen regelmäßig entfernt werden und die gesamte Grabstätte immer jahreszeitlich bepflanzt ist. Übrigens genauestens definiert, mit "Bepflanzung mit Cotoneaster und Euonymus, 3 Halbmonde als Wechselbeet".

Bei Beisetzungen wird das würdige Bild nicht durch Erdaushub beschädigt, da die Einbringung der Urne durch einen Schacht erfolgt, der unter Bodendeckern verborgen ist.

Dauergrabpflege bedeutet Sicherheit und Pflege über eine lange Zeit hinweg ohne nachträgliche Kosten und Preiserhöhung. Um die Grabpflege der "Ruhegemeinschaft Sinzig" zu sichern, ist eine Dauergrabpflegevereinbarung mit der Gärtnerei Hammer in Sinzig und der Genossenschaft der Friedhofsgärtner im Lande Rheinland-Pfalz eG abzuschließen. Bei Abschluss dieses Vertrages zahlt der Kunde einen einmaligen Betrag an die Genossenschaft als Treuhandstelle. Dabei übernimmt diese nicht nur die Geldanlage, um Kostensteigerungen über die Laufzeit des Vertrages abzufangen, sondern kontrolliert die Gärtnerei nach strengen Ausführungsrichtlinien.

Ein Rentner, der die Bauarbeiten interessiert verfolgte, sagte dazu: "Ich finde es gut, wenn man schon jetzt weiß, wo man einmal bleibt". Dazu kann eine Ruhestätte bei der Friedhofsgärtnerei Hammer reserviert werden. "Der Tod gehört zum Leben, so Bürgermeister Wolfgang Kroeger, und die Stadt Sinzig möchte auch hierfür den Bürgern angemessene und vielseitige Bedingungen schaffen." Ob dies die einzige Ruhegemeinschaft auf dem Sinziger Friedhof bleibt, das ist abzuwarten, denn viele historische Grabstätten könnten so eine neue Nutzung erfahren und erhalten bleiben.

Auskünfte über die "Ruhegemeinschaft" erteilt das Standesamt Sinzig im Rathaus, Tel. (0 26 42) 40 01 26 und die Friedhofsgärtnerei Hammer, Tel. (0 26 42) 4 23 89. –BL-